Musik und Alles

40 Jahre Kosmische Oktave

Mit Videos der Vorträge von Hans Cousto und Norbert Böhm
bei der Jubiläumsfeier in Berlin am 2.10.2018 (siehe unten)

Text: Fritz Dobretzberger

Übersicht:

Musik und Alles
Harmonische Schwingungen
Was bisher geschah
Vor 1978
Halbe Halbe
Musikkulturen
Seinerzeit
Im Herbst 1978
Sadja
Musiker ohne Stimmgabel
ColorMusic
Farbkreis und Tonleiter
Nähkästchen
Cousto erzählt (Video)
Grenzgeniales
Paradigmen-Erweiterung
Ewig und Jetzt
Duale Sichtweisen
Weltpremiere
Ellipsenklänge (Video)


Musik und Alles

Musik kombiniert zwei unterschiedliche Frequenzbänder: Tempo und Töne. Töne sind hörbare Frequenzen im Bereich von etwa 20 bis 20 000 Hz und diese Töne werden mit einem bestimmten Tempo gespielt, beispielsweise mit 60 bpm (beats per minute), das wäre ein mal pro Sekunde (1 Hz).

Hans Cousto

Für die kunstvolle Vereinigung der beiden Bereiche Tempi und Töne ist wie gesagt der Begriff Musik geläufig. Was noch fehlt, ist eine griffige, allgemein gebräuchliche Bezeichnung für die Kunst der Kombination aller harmonischen Schwingungsbereiche: Für die Verbindung von astronomischen Zyklen oder molekularen Frequenzen mit Musik und Farben und anderen Bereichen. Die Formel hierfür hat Hans Cousto 1978 erkannt.

Was bisher geschah (bis 1978)

Alle oder nahezu alle Musikkulturen basieren auf Tonleitern, die das Spektrum zwischen einer und der doppelten Tonfrequenz abstufen. Das hat einen natürlichen Grund: Bei einem Ton, der eine bestimmte Frequenz hat, schwingt die doppelte Frequenz mit. Bildlich zeigt das die vibrierende Saite eines Musikinstrumentes: Sie schwingt nicht nur in ihrer ganzen Länge hin und her, sondern in sich schwingen auch die beiden Hälften hin und her und die drei Dritteln, vier Vierteln, fünf Fünftel usw. Am deutlichsten ist die Halbierung auszumachen. Die Natur erzeugt von alleine die doppelte Frequenz (beziehungsweise halbe Wellenlänge), sie proportioniert sich selbst.

Halbierte Welle

Halbe Halbe

Hierzulande wird das Verhältnis von 1 zu 2 Oktave genannt, entsprechend der Siebentonleiter, der achte Ton ist dann der Oktavton (lat. octō ‚acht‘). Dieser ist klanglich so eng mit dem Grundton verwandt, dass er den gleichen Namen erhält. Die Tonleiter C, D, E, F, G, A, H und C bildet die Basis der modernen Musiknotierung.*1  

Durch die Art der Abstufung eines Spektrums von einer zur doppelten Frequenz in fünf-, zwölf- oder anders-stufige Tonleitern, in Kirchen- oder Bluestonleitern, griechische, arabische, indische, chinesische Tonleitern, und und und … unterscheiden sich die verschiedenen Musikkulturen.

Im Spektrum der musikalischen Tempi ist ebenfalls Frequenzverdoppelung ausschlaggebend. Doppelt so schnelle Tempi werden notiert als Ganze-, Halbe-, Viertel-, Achtel-, Sechzehntel-Noten usw.

Die Anwendung des Verhältnis von 1:2 als Basis der Musik ist ein Paradigma, eine Denkweise für den (fast) ganzen Kulturraum der Musik. Werden die Grenzen dieses Raumes überschritten und erweitert, entsteht ein neues, erweitertes Paradigma.

Seinerzeit

Im Herbst 1978 erkannte der Schweizer Mathematiker und Musikforscher Hans Cousto, dass die Oktave — die Frequenzverdoppelung — dazu dienen kann, über die Musik hinaus alle möglichen Schwingungsbereiche kunstvoll zu kombinieren.

Riedlstrasse_1978Wie und wo kam Cousto darauf, in welchem Milieu entstand seine Idee? Als Zeitzeuge gestatte ich mir, das Folgende aus meiner Sicht zu erzählen. Wir waren damals eine Wohngemeinschaft in München, direkt am Englischen Garten in der Nähe des Monopteros in dem alten Stadthaus Riedlstraße 7: Drei Stockwerke, offene Türen, WCs im Halbstock, Waschbecken im Treppenhaus, gemeinsames Klamottenregal im Vorraum. Die Gesellschaft nannte uns Hippies.

Wir unternahmen Reisen, vor allem nach Indien, und lernten andere Kulturen kennen. Wir begannen uns für universelle Zusammenhänge zu interessieren, sicherlich auch angeregt durch den mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Roman von Hermann Hesse „Das Glasperlenspiel“, in dem er eine Zeichen- und Formelsprache beschreibt, an welcher die Mathematik und die Musik gleichen Anteil haben und die es ermöglicht, astronomische und musikalische Formeln zu verbinden und Mathematik, Architektur, Kunst und Musik auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Als Musiker, Maler und Mathematiker interessierten wir uns für Maßsysteme und Harmonik. Weil Grundmaße wie der Meter meist aus der Natur abgeleitet wurden, wollten wir wissen, welchen Ursprung der 440-Hz-Kammerton hat, der 1939 als offizieller Stimmton festgelegt wurde. *2

Englischer Garten MünchenSeit dem 2. Oktober 1978 verwenden wir kosmische Stimmtöne. An diesem Tag fand und aß Cousto im Englischen Garten Zauberpilze, Spitzkegelige Kahlköpfe. Daraufhin hörte und sah er in einer Vision, wie die Planeten des Sonnensystems ein Konzert geben in einer Lightshow aus Regenbogenfarben. Dies führte zu seinem Aha-Erlebnis, zu seiner – nein, nicht Schnapsidee – zu seiner Pilzidee. Cousto griff zum Taschenrechner, und ‘oktavierte’ zunächst die Rotationsfrequenz der Erde. Die Formel ist ganz einfach:

Kosmische OktaveEine Rotation der Erde um die eigene Achse dauert einen Tag mit je 24 Stunden, je 60 Minuten, je 60 Sekunden, also 86400 Sekunden. Am Taschenrechner:
24 x 60 x 60 = 86400.

Der Kehrwert der Zeit ist die Frequenz (Häufigkeit pro Zeiteinheit):
1 : 86400 = 0,000 011 574 Hz. Diese unhörbar tiefe Frequenz verdoppelte Cousto so oft bis eine hörbare Tonfrequenz errechnet war: 25 Verdoppelungen, sprich 25 Oktaven, ergeben 388,36 Hz.

Erde und Stimmgabel

Als nächstes ermittelte er die Oktavfrequenz des Sonnenumlaufs der Erde. Die Frequenz von 1 mal pro Jahr ist 32 Oktaven höher ein Ton mit 136,10 mal pro Sekunde (Hz.)

Ich erinnere mich, wie uns Cousto in dem kleinen Zimmer im Dachgeschoß die Oktavfrequenzen der Erde, des Mondes und der Planeten als Zahlen auf dem Papier vorlegte und erzählte, wie er darauf gekommen ist. Begeistert von der Genialität seiner Idee wollten wir diese Tonfrequenzen natürlich hören. Nachdem wir damals keine Synthesizer oder Tongeneratoren hatten, ließen wir uns Stimmgabeln anfertigen.

Sadja

Als eine der ersten Erfahrungen mit den Stimmgabeln stellten wir bei Vergleichen mit Schallplattenaufnahmen und später bei Konzerten fest, das indische Meistermusiker ihre Sitar sehr genau auf den Erdenjahr-Ton CIS 136,10 Hz stimmen. Das Erstaunliche daran: Sie stimmen diesen Grundton intuitiv ein, ohne Verwendung von Stimmgabeln, ohne Frequenzzahlen parat zu haben.

Indische SitarDas der indische Grundton, Sadja genannt, Vater aller anderen Töne, mit der Oktavfrequenz des Erdenjahres übereinstimmt, wunderte uns nicht allzu sehr, da die Berechnungen ja auf dem natürlichen Oktavgesetz beruhen. Erstaunlich für unseren abendländischen Kulturkreis ist jedoch, wie die Inder ohne Kenntnis der Zahlen auf diesen Ton kommen.

Folgende Erfahrung war für mich wie ein Blick durch ein Schlüsselloch: Eines Tages stimmte ich mit der Erdenjahr-Stimmgabel eine indische Sitar so genau, das schließlich nach dem Anschlagen der am tiefsten tönenden Saite alle anderen Spiel- und Resonanzsaiten mittönten. Spät nachts saßen wir dann im kleinen Kreis in dem Zimmer, in dem auch die gut gestimmte Sitar stand. Wir waren alle in einer völlig entspannten Stimmung — und hörten, wie beim Erklingen unserer hin und wieder gesprochenen Worte die Sitarsaiten resonierten und mittönten!

Indische Meister scheinen sich nicht vordergründig um eine bestimmte Tonfrequenz zu bemühen, sondern in einer meditativen Gelassenheit von selbst in diesem Ton zu schwingen. Entsprechend meiner Erfahrung mit der zum Klang der Worte resonierenden Sitar ist dabei die Gemütsstimmung eine entspannte und herzliche, mit — wie ich annehme — niedriger Gehirnwellenfrequenz, ähnlich wie beim Erwachen nach einem tiefen Schlaf, noch vor dem Einsetzen des gewöhnlichen Gedankenrummels.

Wir Erdbewohner haben ganz klar die Rhythmen unseres Planeten intus: Wach- und Schlafzustand wechseln in der Frequenz des Tag- und Nachtrhythmus und jährlich erleben wir lichtarme Winter im Wechsel mit lichtvollen Sommern, während in der selben Frequenz die Früchte der Bäume reifen und im Inneren ihrer Stämme Jahresringe wachsen.

ColorMusic

farbklaviaturDer violette Rand des Regenbogens hat etwa die doppelte Frequenz des roten Randes. Das Lichtspektrum umfasst also eine Oktave. Dies ermöglicht, eine Farbe als höhere Oktave eines Tones (oder irgend einer anderen Frequenz) zu sehen. So ist ein Ton A mit 440 Hz viele Oktaven über den Hörbereich eine Lichtfrequenz, die wir als Gelborange sehen. Zwölftonleiter und Zwölffarbenkreis sind gleichartig, beide gliedern den Oktavraum in 12 Stufen.

Michael Samay, Hans Cousto, Fritz Dobretzberger

Dementsprechend färbten wir zunächst die Klaviertastatur von Michael Samay, Pianist und enger Freund des Hauses. Dessen Bruder Martin entwarf die ersten rudimentären Farbnoten, die dann Johannes Paul, ebenfalls ein Riedlhaus-Kommunarde, und ich im Laufe der Jahre zu den diagrammartigen Colormusic-Farbnoten perfektionierten. 1993 erschien im Berliner Simon+Leutner Verlag unser Buch „Farbmusik – Leitfaden für eine kombinierte Farben- und Musiklehre“.

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Farbton Tonfarbe und die Kosmische OktaveWie es zu dem ersten handgeschriebenen, fotokopierten und mit einer Nähmaschine gebunden Heft „Farbton Tonfarbe und die Kosmische Oktave(hier als PDF) und zu seinen weiteren Büchern kam; wie sich aus seinem Pilztrip eine Industrienorm entwickelte, erzählte Cousto in seinem Vortrag auf der Jubiläumsfeier „40 Jahre Kosmische Oktave“, die am 2. Oktober 2018 im Berliner KitKat-Club stattfand. Es war eine von Ananto (Mystic  Rose) veranstaltete und von Klangwirkstoff Records mit Hans Cousto organisierte Party mit DJs und Livemusik von B. Ashra, Akasha Project und vielen anderen und mit Visuals, Kunstperformances (siehe LineUp der Ankündigung), sowie Vorträgen von Hans Cousto und Norbert Böhm, die auf YouTube erschienen sind:

Video
40 Jahre Kosmische Oktave
Teil 1
„Die Geschichte und Möglichkeiten der Kosmischen Oktave“
Vortrag von Hans Cousto
Video von Tristans TransitDirektlink


Flyer 40 Jahre Kosmische Oktave

Partyflyer

Die Diaschau zu Coustos Vortrag steht hier als PDF bereit.

Bei den Klangtagen München 2014 hielt Cousto ebenfalls einen Vortrag, bei dem er aus der Geschichte seiner Entdeckung erzählte. (Direktlink)


 Grenzgeniales

Die Idee der Kosmischen Oktave als grenzgenial zu bezeichnen ist angemessen, weil jetzt die Oktave über die Grenzen des Hörbereichs hinaus alle Schwingungsbereiche vereint. Cousto hat damit ein neues Paradigma geschaffen. Auf der Party zum 40-jährigen Jubiläum der Kosmischen Oktave präsentierte der Philosoph und Harmoniker Norbert Böhm diesbezüglich eine abermals erweiterte Weltsicht.

Norbert BöhmNorbert Böhm aus Brandenburg an der Havel ist mit Hans Cousto befreundet und seit 20 Jahren mit dem Thema Kosmische Oktave vertraut. Seit fast 10 Jahren arbeitet er an seinem ca. 900 Seiten umfassenden Meisterwerk „Stimmfibel zur Sphärenmusik“, das 2019 zum 400. Geburtstag der Keplerschen Weltharmonik als Buch erscheinen soll.

Norbert Böhm erweitert das Feld der Kosmischen Oktave. Während Cousto die stabile Umlaufsfrequenz eines Planeten oktavanalog als stabile Tonfrequenz darstellt, nimmt Norbert Böhm den Planetenumlauf genau unter die Lupe. Weil ein Planet nicht kreis- sondern ellipsenförmig die Sonne umrundet, ist er mal schneller und mal langsamer unterwegs, was sich als veränderliche Tonfrequenz darstellen lässt.*3

Ewig und Jetzt

Die beiden Methoden von Hans Cousto und Norbert Böhm stellen zwei duale Sichtweisen ein und derselben Gegebenheit dar. Aus langer, ‘ewiger’ Sicht messen wir die Häufigkeit (Frequenz) der Wiederholungen pro Zeiteinheit. Die Erde umrundet ein mal pro Jahr die Sonne. Etliche Oktaven höher ist das mit 136,10 mal pro Sekunde (Hz) eine bestimmte hörbare Frequenz, die als Stimmton dienen kann.

Aus dem Blickpunkt des momentanen Jetzt wird hingegen das Innenleben einer elliptischen Welle deutlich. Je nachdem auf welchem Punkt der Welle der Planet gerade ‘surft’, verändert sich seine Bahngeschwindigkeit. Norbert Böhm hat die entsprechend zu- und abnehmenden Tonhöhen berechnet.

TuerkisverlaufWenn um den 3. Januar die Erde auf Ihrer Umlaufbahn der Sonne am nächsten ist, hat sie ihre höchste Geschwindigkeit mit dem Oktavton von 140,8 Hz. Am langsamsten ist sie um den 5.Juli mit 131,7 Hz. Bei mittlerem Tempo um den 3. April und dem 6. Oktober ist die Tonfrequenz 136,1 Hz. Farbanalog ist das ein Verlauf von einem bläulichen zu einem grünlichen Türkis.

Weltpremiere

Bei der Jubiläumsparty am 2. Oktober kam es während des aufschlussreichen wie spannenden Vortrags von Norbert Böhm zu einer Weltpremiere: Steffen Günther, Musiker bei Planetary Cymatic Resonance, machte Böhms planetare ‘Ellipsentöne’ hörbar. Denn — wie bereits zu Beginn des ersten der beiden Videos zitiert wird — schon Ludwig van Beethoven wusste: „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“.

Video
40 Jahre Kosmische Oktave
Teil 2
„Die Sphärenmusik vom Himmel holen“
Vortrag von Norbert Böhm mit Steffen Günther
Video von Tristans TransitDirektlink


*1 In der englischen Ausdrucksweise wird der Ton H als B benannt. Die Buchstabenfolge ab A gleicht so den ersten sieben Buchstaben des lateinischen Alphabets: A, B, C, D, E, F, G und A

*2 Der Standardkammerton von 440 Hz a1 wurde 1939 bei einer Stimmtonkonferenz in London bestimmt; ohne spezifizierten Bezug zu einer Naturkonstante. Das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) und der Europarat haben diese Regelung als unverbindliche Empfehlung übernommen, die Anwendung bleibt jedem selbst überlassen.

*3 Genau gesagt gleicht die Sonnenumlaufbahn eines Planeten einer ellipsenförmigen Spirale, da sich die Sonne in ihrer Galaxie selbst auf einer Bahn vorwärts bewegt (während sie von ihren Planeten umrundet wird).

Geänderte Pluto-Frequenz

Pluto

Südpol des Pluto
Credit: NASA Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, Southwest Research Institute

Seit seiner Entdeckung vor gut 88 Jahren am 18.2.1930 bis 2018 hat der kleine Planet Pluto, der außerhalb der Neptunbahn seine Ellipsen zieht, erst etwa ein Drittel eines Sonnenumlaufs hinter sich. Weil zudem die Plutobahn gegenüber der Ekliptik mit 17º viel stärker geneigt ist als die Bahnen der anderen Planeten, ist bei den Bahnwerten des Pluto auch ein höherer Unsicherheitsfaktor gegeben. Dies ist wohl die Hauptursache, das in verschiedenen astronomischen Datenquellen die Periode des Pluto unterschiedlich angegeben wird.

In dem 1984 veröffentlichten Buch „Die Kosmische Oktave“ ging Hans Cousto bei Pluto von einer Umlaufzeit von 90737,2 Tagen aus, von denen er die 40. Oktave mit 140,25 Hz errechnete.

Im JPL Small-Body Database Browser der NASA sind jetzt 90487,277 Tage als Periode aufgeführt (siehe https://ssd.jpl.nasa.gov/sbdb.cgi?sstr=pluto ). Die 40. Oktave des Pluto-Sonnenumlaufs hat demnach die Frequenz 140,64 Hz.

Mehr zum Oktavton des Pluto und dessen Stimmdaten:
https://www.planetware.de/tune_in/Pluto.html 


Ernst Florenz Friedrich Chladni

Der Physiker und Astronom Ernst Florens Friedrich Chladni (1756 – 1827) ist unter anderem bekannt durch die nach ihm benannten Chladnischen Klangfiguren. Wird eine dünne, mit Sand bestreute Metallplatte in Schwingung versetzt, indem sie an der Kante mit einem Geigenbogen bestrichen oder mit einer vibrierenden Stimmgabel berührt wird, ordnet sich der Sand zu geometrischen Mustern.

Ein vergleichbares Phänomen zeigen auch die Wasserklangbilder von Alexander Lauterwaser oder von Michael Memminger. Mit seinem Projekt Magic Aqua hat Michael Memminger auch mit Planetentönen eine Reihe Wasserklangbilder gemacht. Vom Soundtrack „Sun 4 Seasons“ von Steve Schroyder & Alien Voices bewegte Magic-Aqua-Wasserklangbilder wurden in das entsprechende Musikvideo eingearbeitet.

Laut Wikipedia soll Chladni auch den Vorschlag gemacht haben, den Kammerton der Musik auf einer höheren Oktave der Frequenz von einmal pro Sekunde beruhen zu lassen. Ein Hertz sind acht Oktaven höher 256 Hz. Chladni dürfte allerdings nicht mit der Maßeinheit “Hertz” (Hz) gerechnet haben, denn der Physiker Heinrich Hertz, nach dem dieses Maß benannt ist, wurde erst 1857 geboren.

Ende des 19 Jhdt, hat der Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner — anlehnend an Paul Hindemith — ebenfalls auf die Möglichkeit hingewiesen, den Grundton C mit 256 Hz auf unsere Sekunden-Zeitrechnung zu beziehen; siehe auch
http://www.planetware.de/tune_in/schumann.html#meistergabel 

Als Astronom hat Chladni vor allem Meteoriten erforscht. Eines seiner Bücher mit dem Titel „Über den Ursprung der von Pallas gefundenen und anderer ihr ähnlicher Eisenmassen und über einige damit in Verbindung stehende Naturerscheinungen“ begründete die moderne Meteoritenforschung. Astronomen ehren ihren Kollegen, indem sie den Mondkrater Chladni und den Asteroiden (5053) Chladni nach ihm benannten.

Der Asteroid Chladni wurde 1985 von dem Astronomen Edward L. G. Powell entdeckt. Im Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter gelegen, hat Chladni eine Sonnenumlaufzeit von 3,7 Jahren (1357,201 Tage); siehe http://ssd.jpl.nasa.gov/sbdb.cgi?sstr=chladni

34 Oktaven höher ergibt das einen Ton D mit 146,51 Hz (der entsprechende Kammerton a1 mit 439,03 Hz weicht minus 3,8 cent von 440 Hz ab). Das entsprechende oktavanaloge Tempo von Chladni ist 68,7 bpm (beat per minute), die entsprechende Farbe ist Blau.


 

Schwingungsvertiefung

In spirituellen oder esoterischen Kreisen wird manchmal die Frage gestellt ob „bezüglich unserer Schwingungserhöhung oder Weiterentwicklung“ sich zum Beispiel die Oktavfrequenz des Erdentages 194,18 Hz  erhöht, oder sich die Schwingungen der Planeten verändern.

Eine Frequenzerhöhung des Erdrotation würde heißen, das sich der Planet schneller dreht und somit seine Tage kürzer werden. Real sind die Erdentage in den letzten 3000 Jahren aber um (lediglich) 0,05 Sekunden länger geworden. Der Ton wird demnach tiefer, nicht höher.

Eine längere Periodendauer bedeutet eine tiefere Frequenz, so das keine Schwingungserhöhung, sondern im Gegenteil eine Schwingungsvertiefung stattfindet. Die langfristige Verlangsamung der Erdrotation ist aber so ultraminimal, das sich an der oktavanalogen Frequenzahl 194,18 Hz nichts ändert. Erst an der vierten Stelle hinter dem Komma ist die Tonfrequenz heute um ein Zehntausendstel Hertz tiefer als vor 3000 Jahren. Das ist selbst für das absoluteste Gehör nicht wahrnehmbar (eine einzige Schwebung aus der Differenz beider Töne würde 2 1/2 Stunden dauern).

Berechnung

Heute:
1 Tag = 86 400 Sekunden = 0,0000115740740740741 Hz * 224 = 194,180740740741 Hz
Vor 3000 Jahren:
1 Tag = 86.399,95 Sekunden = 0,0000115740807720375 Hz * 224 = 194,18085311392 Hz


Die Schumann-Resonanz

Author: NASA/Goddard Space Flight Center

Ähnlich gelagert ist eine Fragestellung zur Schumann-Resonanz und deren vermeintliche Erhöhung von 7,83 Hz auf 8 Hz, respektive der entsprechenden Oktavtöne von 250,56 Hz auf 256 Hz.

Da sich die Schumann-Resonanzfrequenz aus dem Erdumfang ableitet, würde eine Erhöhung bedeuten, das die Erde schrumpft.  Eine signifikante Änderung der Erdengröße ist nicht wirklich gegeben und wenn, dann wäre sie auch hier so gering, das beim Oktavton kein Unterschied zu hören wäre.


Ceres Frequenzen

Seit 6. März 2015 umkreist eine Raumsonde erstmalig einen Zwergplaneten. Die Sonde namens “Dawn” ist vor siebeneinhalb Jahren auf der Erde gestartet und nun am vergangenen Freitag bei dem Zwergplaneten Ceres angekommen. Nebenstehendes Foto hat sie am 19. Februar 2015 bei ihrem Anflug aufgenommen. Ein informativer Artikel über diese NASA-Mission ist im Wissensmagazin scinexx.de erschienen.
© NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA 

Im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter gelegen, braucht Ceres für eine Sonnenumrundung 4,6 Jahre  (1681,633 Tage; siehe NASA-JPL)

28 Oktaven höher ist das ein musikalisches Tempo von 111 bpm (beats per minute) und weitere sieben Oktaven höher ein Ton Ais mit 236,5 Hz und nochmals 41 Oktaven höher eine gelbe Farbfrequenz; siehe auch http://www.planetware.de/tune_in/Zwergplaneten.html#ceres


Der Caesium-Ton

Die ursprüngliche Grundlage der Berechnung unserer Uhrzeit ist der Erdentag, gemessen von einem Höchstand der Sonne bis zum nächsten Höchstand nach einer ganzen Rotation der Erde um die eigene Achse.

Unsere Uhr teilt den Tag in 24 Stunden, á 60 Minuten, á 60 Sekunden. Der Erdentag hat also 86400 Sekunden, oder anders ausgedrückt, ist eine Sekunde der 86400ste Teil eines Tages.

Seit 1967 dient das Caesium-Atom als Grundlage zur Definition der Sekunde.

Die Periodendauer eines bestimmten atomaren Übergangs im chemischen Element Caesium (Cs) beträgt 0,000 000 000 108 78 Sekunden. Das 9 192 631 770-fache davon ist eine Sekunde.

Die Frequenz des Caesium mit 9 192 631 770 Hz ist 26 Oktaven tiefer der Ton CIS mit 136,98 Hz und weitere 6 Oktaven tiefer ein Tempo von 128,4 bpm (Schläge pro Minute).

Neue Chiron Daten

Im tune_in Menü von Planetware war bisher die Umlaufszeit des Asteroiden Chiron mit 50,7 Jahren angegeben. Quelle dieser Angabe war der Chiron Fact Sheet der NASA. Die 38. Oktave dieser Periode ist ein Ton mit 171,8 Hz. Die im Planetware-eShop bis Mai 2014 angebotene Chiron-Stimmgabel hatte dementsprechend diese Tonfrequenz.

Nachdem nun im JPL Small-Body Database Browser, eine andere Datenquelle der NASA, die Umlaufszeit des Chiron mit 50,39 Jahren angegeben ist, hatte ich bei den Autoren des oben genannten Chiron Fact Sheets nachgefragt, was der Grund für die unterschiedlichen Angaben sei, worauf ich folgende Antwort erhielt: “I have not updated that fact sheet for some time, I would guess that with more information they have improved the orbit determination and the 50.39 year number is more accurate. I’ll have to go through the fact sheet and update it.” Anscheinend liegen mittlerweile erweiterte Informationen über den Asteroiden vor, so das nun die Umlaufsperiode mit 50,39 Jahren angegeben werden kann. Der Autor hat sein Chiron Fact Sheet jetzt ebenfalls entsprechend geändert.

Eine Umlausfperiode von 50,39 Jahren ergibt 38 Oktaven höher einen Ton mit 172,86 Hz. Der dieser Frequenz entsprechende Kammerton a1 hat  435,59 Hz (die minus 17,45 cent von 440 Hz abweichen). Die 31. Oktave von 50,39 Jahren ist ein Tempo von 81 bpm (Schlägen pro Minute).

Venus Transit

Alle gut 27 Tage ist Neumond mit Sonne und Mond in der selben Himmelrichtung. Wesentlich seltener bilden Erde, Mond und Sonne eine ganz präzise Gerade und somit eine Sonnenfinsternis. Ähnlich ist es bei einem Venustransit. Venus und Sonne stehen etwa alle 580 Tage beisammen. Bilden sie mit der Erde eine schnurgerade Linie, kann unser Nachbarplanet als kleiner Punkt auf der Sonnenscheibe  beobachtet werden.

Diese “Minisonnenfinsternis” ereignet sich derart selten, das sie von manchen  Generationen nicht erlebt werden kann. Es dauert mehr als hundert Jahre, bis dann zwei Venustransite hintereinander in einem Abstand von acht Jahren stattfinden. Im 20 Jahrhundert gab es keinen einzigen. Davor ereigneten sie sich 1882 und  1874, 1769 und 1761, 1639 und 1631. Die ersten beiden in diesem Jahrtausend waren 2004 und 2012 und auf die nächste müssen wir bis zum Jahr 2117 warten.

Venustransite, auch Venuspassagen genannt, waren und sind für die Astronomie von besonderer Bedeutung. Unter anderem führte die Bestimmung der Parallaxe — die Unterschiede der Position der Venus auf der Sonnenscheibe durch Beobachtung von verschiedenen Standorten auf der Erde — zur sehr genauen Bestimmung des Sonne-Erde-Abstandes. Nach der Idee des Astronomen Edmond Halley, die Parallaxe durch Zeitmessung zu ermitteln, nahmen von der Venustransite am 6.Juni 1761 – neunzehn Jahre nach seinem Tod – weltweit an die zweihundert Astronomen die entsprechenden Daten auf.

In diesem Jahrhundert wurden die Venustransite zu einem medialen Großereignis, von Millionen Menschen direkt oder via TV und Internet bestaunt — und das Star Sounds Orchestra reflektierte musikalisch die astronomischen Daten.

Am 8. Juni 2004, von 7h20 bis 13h25, spielte — mit Blick auf die Venustransite — das SSO im Rahmen des Sonnenklang-Festivals im Schlosspark Wetzlas in Österreich. Grundton und Tempo dieses Konzertes waren höhere Oktaven synodischer Venusperioden: ein F mit 171 Hertz bei 80 Schlägen pro Minute. Die darauf aufbauende Tonleiter wurde aus der Konstellation aller Planeten abgeleitet. Vertonungsdaten und Konzertfotos sind auf folgender Webseite archiviert:
www.planetware.de/aktuell/archiv/2004/venustransit04.html

Mythologisch bedeuten diese astromusikalischen Reflektionen einen mit Sonnenenergie geladenen, lebhaften Liebestanz der Venus, die innerhalb von acht Jahren eine fünfblättrige Lotus-Choreographie in den Himmel tanzt.

Am 6. Juni 2012, also genau acht Jahre später, nachdem die Venus erneut einen kompletten Blütentanz aufs Sternenparkett gelegt hatte, folgte die zweite Venuspassage. Das Star Sounds Orchestra und Gastmusiker zelebrierten dazu erneut eine interaktive Inszenierung, mit Aspekten der Kunst und der Liebe im Blickpunkt, diesmal im Rahmen der Klangtage Marl in Deutschland.

Bei Planetware Records ist nun ein Live-Album über diese kosmischen Konzerte erschienen: “Venus Transit” von Star Sounds Orchestra. Die Musik-CD mit vier langen Tracks im Ambient- und Downbeat-Stil ist jetzt im Planetware-eShop erhältlich. Ab Mitte Mai gibt es die Downloads bei iTunes, Amazon und vielen anderen Shop.


Quellenhinweise zu Venustransiten:

“Der himmlische Tanz von Sonne und Venus aus irdischer Sicht – Grundlagen zur Vertonung der Venuserscheinungen im Allgemeinen und der Venuspassagen im Besonderem” 
PDF von Hans Cousto über die Rhythmen der Venus, ihre siderischen und synodischen Umläufe, Oktavierung in den Hör- und Sichtbereich und ausführlichen Stimmdatenblättern.
www.planetware.de/download/cousto/Venuspassage.pdf

Deutsche Webseiten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Venustransit
http://www.venus-transit.de/index1.html
http://eclipse.astronomie.info/transit/venus/

Englische Webseiten:
http://en.wikipedia.org/wiki/Transit_of_Venus 
http://en.wikipedia.org/wiki/Transit_of_Venus_(disambiguation) 
http://royalsociety.org/exhibitions/transit-venus/1639/ (…..) 
http://eclipse.gsfc.nasa.gov/transit/transit.html 

Asteroid Chariklo


Die Najade Chariklo, eine Nymphe, ist Namensgeberin eines 1997 entdeckten Asteroiden. Er befindet sich in der Gruppe der Zentauren, die zwischen den Bahnen von Jupiter und Neptun die Sonne umrunden, und er ist ein Kuriosum:
Bildnachweis:
ESO/L. Calçada/M. Kornmesser/Nick Risinger (skysurvey.org)

Er ist der kleinste von Ringen umgebene Weltraumkörper, der bisher gefunden wurde (nur vier wesentlich größere Objekte im Sonnensystem können derartiges aufweisen: die Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun).

Chariklo umrundet die Sonne in 62,43 Jahren. Das ergibt 38 Oktaven höher den Ton Cis mit 139,5 Hz, mit dem entsprechenden Kammerton a1 von 443 Hz (= 440 Hz + 11,6 cent). Das oktavanloge Tempo ist 65,4 bzw. 130,8 bpm (beats per minute).

Quellenhinweise:
www.eso.org/public/germany/news/eso1410/
de.wikipedia.org/wiki/(10199)_Chariklo
www.zeit.de/wissen/2014-03/ring-chariklo-kleinstplanet
www.planetware.de/tune_in/Zwergplaneten.html#chariklo 

 


Mond Mozart Erotik Ostern

Als ständiger Begleiter unseres Planeten ist der Mond ein weiterer Taktgeber unseres Erdendaseins.  Was sein Himmelsrhythmus mit Mozart, Erotik und Ostern tun hat, ist Thema dieses Artikels.

Die Erde bildet mit dem Mond eine Einheit mit einem gemeinsamen Masseschwerpunkt. Dieser liegt rund 1700 km unter der Erdoberfläche, durchschnittlich 4671 km vom Mittelpunkt der Erde entfernt immer in Richtung des Mondes. Die Kraft des Mondes zeigt sich am deutlichsten bei den periodischen Hoch- und Tiefständen der Ozeane, den Gezeiten, bei der die Gravitation zwischen Erde und Mond eine wesentliche Rolle spielt.

Im Folgenden werde ich etwas näher auf die rhythmische Himmelsmechanik des Mondes eingehen, die sich bei seiner täglich wechselnden Erscheinung gut beobachten lässt.

Im Weltraum beleuchtet die Sonne logischerweise immer die ihr zugewandte Halbkugel des Mondes, während die Rückseite im Schatten liegt. Befindet sich der Mond von der Erde aus gesehen in der gleichen Richtung wie die Sonne, gehen (wegen der Erdrotation) Sonne und Mond gleichzeitig im Osten auf. Der Mond ist nicht zu sehen, weil er vom Sonnenlicht überstrahlt wird. Zudem wendet er uns seine ganze, im Schatten liegende Seite zu. Am Abend gehen Sonne und Mond gleichzeitig im Westen unter und es folgt eine Nacht ohne Mond am Himmel, was wir als “Neumond” bezeichnen.

Alle Planeten, einschließlich der Erde, bewegen sich in der annähernd gleichen Raumebene des Tierkreises wie auf einem Teller um die Sonne. Der Mond umrundet die Erde ebenfalls auf dieser Ebene. Der Erdäquator rotiert etwas geneigt dazu. Alles bewegt sich in die gleiche Richtung, bei Blickrichtung Süden gegen den Uhrzeigersinn. Weil die Erdrotation scheinbar viel schneller ist als alle anderen Bewegungen, wandern die Sterne der Ekliptik mit Sonne, Mond und Planeten im Urzeigersinn über den Himmel, täglich im Osten auf- und im Westen untergehend. In Relation zu den Fixsternen bewegen sich die Planeten und der Mond jedoch in die Gegenrichtung. Deshalb befindet sich der Mond täglich rund ein halbes der 12 Sternbilder weiter (gegen den Uhrzeigersinn) und geht somit rund 48 Minuten später auf.

Eineinhalb bis zwei Tage nach Neumond ist die erste schmale Mondsichel als Neulicht zu sehen. Am Himmel entfernt sich in den folgenden Tagen der Mond immer weiter von der Sonne, wobei zunehmend immer mehr von seiner sonnenbeschienenen Seite zu sehen ist. Wenn eine Woche nach Neumond nachmittags die Sonne im Südwesten steht, ist bei klarem Himmel im Südosten der Halbmond zu sehen.  Zeigt ein ausgestreckter Arm zur Sonne und der andere zum Halbmond, bilden beide Arme genau einen rechten Winkel von 90º.  Modelllhaft lässt sich diese Himmelmechanik  gut in einem abgedunkelten Raum mit einer (nicht abgeschirmten) Lampe als Sonne und einem Ball als Mond nachvollziehen.

Wieder eine Woche später gelangt der Mond auf die der Sonne gegenüberliegenden Seite der Erde, so das seine ganze ausgeleuchtete Seite zu sehen ist. Wenn die Sonne im Westen untergeht, steigt am gegenüberliegenden östlichen Horizont der Vollmond auf.

Die Mondumlaufbahn ist gegenüber der Erdbahn um die Sonne (Ekliptik) leicht geneigt. Wenn Sonne, Erde und Mond exakt eine gerade Linie bilden, bedeckt der Neumond die viel größere, aber viel weiter entferntere und daher etwa gleich groß erscheinende Sonne und verfinstert diese teilweise oder ganz. Oder es fällt bei Vollmond der Schatten der Erde auf den Mond und wir erleben eine Mondfinsternis. Da die Sonnen- und Mondfinsternisse nur einigene Minuten dauern, können wir sie nur sehen, wenn wir uns auf der Seite der Erdkugel befinden, die dem Mond zugewendet ist. Finsternisse kommen nur etwa 2, 3 mal im Jahr vor, da sich der Mond durch seine Bahnneigung meist etwas ober- oder unterhalb der Ekliptik befindet.

Bei einer Wahrnehmung muss klar sein, von wo aus beobachtet wird und in welche Relation das Wahrgenommene gesetzt wird. Von der Erde aus betrachtet, beträgt die Dauer eines Mondumlaufs in Relation zu den Fixsternen einen sogenannten “siderischen Monat” (lat. sidus = Stern). Stehen bei Neumond Sonne und Mond gemeinsam z.B. beim Regulus — dem hellsten Fixstern der Ekliptik im Löwen — dauert  es  27,322 Tage, bis der Mond wieder beim selben Fixstern angekommen ist.

Da die Sonne während dieser Zeit etwa ein Sternbild weitergewandert ist, dauert es gut zwei Tage länger bis wieder Neumond ist. Die mittlerer Dauer eines Mondumlaufs in Relation zur Sonne (von Neumond bis Neumond oder Vollmond bis Vollmond) ist 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und wird “synodischer Monat” genannt . Das griechische Wort syndos bedeutet “Versammlung” — eine Synagoge ist einer Versammlungsstätte — und steht in der Astronomie für eine “Versammlung mit der Sonne”.

Die folgende Tabelle zeigt die Daten des synodischen Mond-Erdeumlaufs und dessen oktavanalogen Schwingungen im Tempo-, Ton- und Lichtbereich.

Schwingung Formel Frequenz ( f ) Wahrnehmungsbereich
Synodischer  Mondumlauf
0,000 000 39 Hz 1 Synodischer Monat = 29,530588 Tage
22. Oktave f . 222 1,64 Hz Tempo: 98,63 beats per minute
29. Oktave f . 229 210,42 Hz Ton: GIS (a1 = 445,86 Hz)
30. Oktave f . 230 420,84 Hz Ältere Mozart-Stimmung: a1 = 421 Hz
70. Oktave f . 270 4,6272 . 1014 Hz Farbe: Orange 648 nm

Klassische Musik wird heutzutage bedauerlicherweise nicht mehr in den Farben gespielt, wie sie komponiert wurde. Durch die im westlichen Kulturkreis immer höher werdende Frequenz des Stimmtones (Kammerton)  klingt heute alles einen Halbton höher als vor rund 250 Jahren. Beispielsweise hatte damals der Ton A oktavanalog die Farbe Orange, heute hingegen Gelborange.

Die sogenannte “Ältere Mozartstimmung” war ein A mit 421 Hz und das entspricht der 30. Oktave des Synodischen Mondumlaufs mit 420,84 Hz. Zu Mozarts Zeiten gab es nur Kerzenlicht oder Petroleumlampen als künstliche Beleuchtung. Bei Neumond war es auf den Straßen immer stockdunkel. Das der Vollmond mit seiner Leuchtkraft, bei der Bäume Schatten werfen, im regelmäßigen Rhythmus eine deutliche Abwechslung bringt, ist heutigen, Kunstlicht gewohnten Stadtbewohnern kaum mehr gegenwärtig.

Vor allem bei Pflanzen, aber auch bei Lebewesen, die ihre Energie nicht durch Photosynthese beziehen, wurden photoperiodische, durch das Sonnenlicht induzierte Veränderungen untersucht. Meist hängen diese mit der jahreszeitlichen Dauer des Tageslicht zusammen, aber bereits die Energie des vom Vollmond auf die Erde reflektierten Sonnenlichtes kann ausreichen, um eine Morphose zu bewirken.

Ob und welche endogene Veränderungen im circalunaren Rhythmus stattfinden, untersucht die Chronobiologie. Frauen kennen den Menstruationszyklus (von lat. mensus = Monat), in etwa dessen Mitte der Follikelsprung (Eisprung) stattfindet. Dieser ist Voraussetzung für die Befruchtung durch ein Spermium, die darauf folgende Schwangerschaft und die Geburt neuen Lebens. Hormonelle Vorgänge produzieren bei Frauen während des Eisprungs Pheromone und damit einen veränderten Körpergeruch, den Männer — meist unbewusst  — wahrnehmen. Geoffrey Miller von der Universität Neu Mexiko berichtet in dem Journal “Evolution and Human Behavior” in einem nobelpreisgekrönten Artikel, das Striptease-Tänzerinnen in der Phase ihrer fruchtbaren Tage wegen der Pheromone etwa doppelt soviel Trinkgeld erhalten als sonst. Laut einem Artikel im Magazin “Focus” vermutet Karl Grammer, Evolutionspsychologe an der Universiät Wien, das sich Frauen durch den erhöhten Östrogenspiegel während des Eisprungs erotischer bewegen.

Der Mondrhythmus hat also deutlichen Anteil am Takt des Lebens. Die Evolution hat Erotik als Sprache zur Findung des geeigneten Partners entwickelt, um den Bestand der Spezies — und des Lebens selbst — zu gewährleisten. Fruchtbarkeitsrituale werden in naturnahen Kulturen gerne bei Vollmond gefeiert, was allein schon dehalb einleuchtet, weil es nur bei Vollmond rund um die Uhr hell genug ist, um auch ohne Kunstlicht ausgiebig zu feiern.

Das tibetische und das chinesische Neujahr startet bei einem Frühlings-Neumond. In Indien beginnen die Frühlings-Feierlichkeiten mit dem Vasant Panchami am fünften Tag des zunehmenden Mondes.  Geehrt wird Sarasvati, deren Fruchtbarkeit mit dem Frühling in Erscheinung tritt und auch als schöpferische Kraft in Wissenschaft, Kunst und Musik hervortritt. Die Festlichkeiten können bis Vollmond dauern, an dem zum Höhepunkt das Holi-Fest als rauschendes “Fest der Farben” zelebriert wird. Auch das jüdische Pessach beginnt beim ersten Vollmond im Frühling.

Mit dem indischen Holi-Fest der Farben hat das christliche Osterfest noch die Farben gemeinsam, mit denen Ostereier bemalt werden. Ansonsten ist Ostern (lat. pascha, hebräisch pessach) ein Beleg für eine kulturelle Distanzierung von der Natur. Bis zum Jahr 325 wurde das höchste Fest der Christenheit ebenfalls beim ersten Frühlings-Vollmond gefeiert. Doch dann kam das erste Konzil von Nikäa, bei dem  beschlossen wurde, das Fest des Lichtes und der Auferstehung Christi absurderweise in der Dunkelheit des abnehmenden Mondes zu feiern. Es kann darüber spekuliert werden, was diese Abkehr von der Natur im westlichen Kulturkreis bewirkt. Der Zölibat ist übrigens gleichfalls eine Folge jenes Konzils.

Im Anfang war das Wort“, steht in der Bibel. Ist damit das selbstreflektierende menschliche Bewußtsein gemeint, das durch das Wort “Ich” eine illusionäre Trennung vom “Du” (und der restlichen Umwelt) bewirkt?  Viele Jahrtausende bevor uns die ersten Religionen in “Heiligen Schriften” das Wort Gottes vorzukauen begannen, war es Aufgabe der Schamanen, den Menschen eigene, lebendige Erfahrungen des “Einssein mit Allem” (das durch das Wort — einschließlich dieses Textes — aufgehoben scheint) zu ermöglichen.  Durch repetive Trommelmusik, Tanz und Verzehr psychoaktiver Pflanzen in gemeinsamen Ritualen an naturgegebenen Feiertagen, häufig an Vollmonden, wurde ein ekstatischer Bewusstseinszustand erreicht, ein “Außersichsein“, bei der die vermeintliche Trennung vom Ich und der Umwelt wieder aufgehoben ist und Vergangenheit und Zukunft keine Rolle spielen. Schamanische Elemente finden sich heute erneut in der psychedelischen Kultur, in der — auffallend häufig  an Vollmonden und Sonnenfinsternissen — zahlreich besuchte Festivals mit repetiver Psytrance-Musik veranstaltet werden. 1)

Vielleicht befindet sich “Der Mensch auf dem Weg vom animalischen zu kosmischen Bewußtsein“, wie es Ken Wilber im Untertitel seines Buches “Halbzeit der Evolution” 2) beschreibt. Oder wie Hans Cousto, der die kosmischen Oktavtöne ermittelte, formuliert:

All-Ein-Sein heißt eins sein mit dem All. Die Schwingungen des Alls wahrzunehmen und sich auf diese Schwingungen einzustimmen heißt, sein Leben – oder einfach sich selbst – mit dem All in Einklang zu bringen. Ist die Person (von lat. per-sonare = zum Erklingen bringen, hindurchtönen) im Einklang mit dem Kosmos, resoniert der Kosmos in ihr, der Kosmos findet seinen Widerhall in der Person. Wird man sich dessen bewußt, hat das Bewußtsein kosmische Dimensionen erreicht.3)


LITERATUR:
1) “Goa – 20 Jahre Psychedelik Trance” von Tom Rom und Pascal Querner (Link)
2) “Halbzeit der Evolution” von Ken WIlber
3) “Die Kosmische Oktave – Der Weg zum universellen Einklang” von Hans Cousto
MONDMUSIK:
http://www.planetware.de/tune_in/Musik_Mond.html


GEWUSST WIE  – Schwingende Welt
1. Alles schwingt
2. Oktave: Halbierung Verdoppelung
3. Resonieren und mitschwingen
4. Die Kosmische Oktave
5. Wir sind die Erde
6. Unser Erdenleben
7. Die Erdrotation
8. Der Erde-Sonnenumlauf
9. Das Erdachsenkreisel
10. Mond Mozart Erotik Ostern (dieser Artikel)